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akademie : der steg

Als wir im Jahr 2002 das Internationale KammermusikFestival Nürnberg ins Leben gerufen haben, war es unser Traum, Weltklassemusiker nach Nürnberg zu holen und Musik in und für die Stadt zu machen, in der wir -  alle als Zugereiste – lebten. Wir wollten dem Publikum sowohl das wunderschöne Standardrepertoire der Kammermusik anbieten als auch Musik, die uns nah und am Herzen lag: Musik aus dem englischsprachigen Raum. Wir haben dabei neue Veranstaltungsorte gesucht und neue Wege, unsere Musik zu präsentieren. Dadurch haben wir die Stadt und ihre Menschen immer besser kennen gelernt – wir haben uns eingelebt, mit der Musik als Katalysator. Das KammermusikFestival war so etwas wie unser persönliches Intergrationsprojekt.

Nach sieben Jahren hochklassiger und innovativer Kammerkonzerte, Kammeropern, Tanztheaterproduktionen und Auftragskompositionen hat das Internationale KammermusikFestival Nürnberg einen festen Platz im Kulturleben der Stadt Nürnberg und eine internationale Reputation als ein Festival mit hoher Qualität und einer besonderen Atmosphäre.

»Was man mit Kindern üben müsste ist weniger die musikalische Erziehung, sondern die Erziehung zum Menschen durch die Musik und die bildende Kunst« [Daniel Barenboim]

Über die Musik hinaus gab es noch ein besonderes Anliegen, das wir unserer neuen Heimat nahe bringen wollten: education projects. Daher hatten wir bereits im ersten Jahr damit begonnen, Kinder und Jugendliche an unserer Arbeit zu beteiligen. Die Beteiligung umfasste den Entstehungsprozess, Erarbeitung und Aufführung von Musiktheaterproduktionen. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dass die Jugendlichen die Erfahrung machen konnten, Teil eines professionellen Geschehens zu sein.

Ein besonderes Gewicht lag auf der im angelsächsischen Raum bekannten Praxis, professionelle Musiker – Opernsänger, Orchestermusiker, Komponisten oder Instrumentalsolisten – mit Schülerinnen und Schülern gemeinsam auf, beziehungsweise hinter die Bühne zu bringen. An den einzelnen Projekten nahmen seit Beginn insgesamt über 2000 Schülerinnen und Schüler teil. Die Kinder und Jugendlichen erlebten dabei, was es bedeutet, diszipliniert und fokussiert zu arbeiten, was auch von ihnen erwartet wurde. Sie haben die Herausforderungen nicht nur angenommen – die Ergebnisse waren jedes Mal herausragend.

»Musik zivilisiert. Musik macht wachsam. Wer Musik macht, lernt nicht zu hassen. Wer Musik macht, lernt zu hören, zuzuhören und zu denken« [Isaac Stern]

Theater stellt einen Mikrokosmos unserer wirklichen Welt dar. Musik ermöglicht eine Verständigung über alle Schranken und Barrieren hinweg. In der Verbindung von Musik und Theater ergibt sich die Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen, die außerhalb dieses Kontextes nicht -oder eher unwahrscheinlich -zusammen kommen. Das Theater als eine dem Lebensalltag entsprechende Kunstform stellt dabei Regeln auf, die ein Zusammenleben in der realen Welt vorbildhaft widerspiegeln. Integration und Austausch sind dabei nie erzwungen, sie geschehen auf natürliche Weise.

Unsere Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen stieß auf ein sehr positives Echo sowohl bei den Beteiligten als auch in der Öffentlichkeit, welches in der Verleihung des Stipendiums des Kulturpreises der Stadt Nürnberg 2007 seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Auch die wachsende Bereitschaft verschiedener namhafter Stiftungen – so z.B. der Robert Bosch Stiftung – unsere Arbeit zu fördern, zeigte deutlich, dass sowohl das Konzept als auch die Qualitöt der durchgeführten Projekte richtungsweisend und gesellschaftspolitisch relevant waren.

Auch wegen dieses Erfolgs ist im Laufe der Zeit der Aufwand für die Projekte so gewachsen, dass er mit dem ausschließlich ehrenamtlichen Engagement in keiner Weise mehr zu bewältigen war. Die Gründung der akademie : der steg diente daher dem Zweck, diese Arbeit zu institutionalisieren und die Musiktheaterprojekte neu zu strukturieren. Die akademie : der steg gewährleistet eine kontinuierliche Arbeit und auch Weiterentwicklung des bisherigen, das das Bildungsangebot in der Metropolregion Nürnberg um ein innovatives und einzigartiges Element erweitert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über die Notwendigkeit, allen Bevölkerungsgruppen gleichberechtigten Zugang zur Bildung zu ermöglichen, trifft die akademie : der steg einen Kern der Lösung: sie richtet sich aktiv an alle Schulformen und löst die Benachteiligungen sozialen Ursprungs auf, indem sie ihre Projekte bewusst Schulart übergreifend konzipiert.

»Bildung dient nicht der Gesellschaft. Sie gestaltet die Gesellschaft« [Neil Postman]

Unser Traum ist es nun, noch vielen Kindern und Jugendlichen aus der Region die lebensverändernden Erfahrungen zu ermöglichen, die andere schon in den vergangenen Projekten vor ihnen gemacht haben.

Dr. Dorle Messerer-Schmid, Gero Nievelstein,
Ks. Frances Pappas, Peter Selwyn, Andrew West